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Wolken, Schlachtfelder und die Definition von Sinnlosigkeit

Nachdem ich den Nebel identifiziert, als Feind betitelt und angefangen hatte ihn zu bekämpfen, schlug er zurück. Seine Komplizen, Klimaanlage und feuchtes Klima, schlichen sich heimtückisch von hinten an und rafften mich dahin.
Zuerst war es ein Schnupfen und diese lasche Vorhut bombardierte ich geübt mit den mir bekannten und zur Verfügung stehenden Mitteln. Die erste Runde ging an mich. Drei Tage später, meine Nase hatte sich soweit beruhigt, schlug die Erkältung mit allem was sie hatte zu. Vorbei waren die Spielchen. Ehe ich mich versah saß ich hustend, keuchend, mit Kopfschmerzen und frierend in meiner Vorlesung und hielt mich an meinem Stuhl fest, weil sich dieser verdammte Raum einfach nicht aufhören wollte zu drehen. Und dabei war ich gar nicht zur Ladies‘ night gewesen. Die üblichen Mittelchen wollten nicht helfen und statt den Rückzug anzutreten, machte es sich Frau Erkältung richtig bequem und stahl mir Schlaf, Kraft und Gesichtsfarbe. Leicht beunruhigt, ob diesen so gar nicht typischen Erkältungsverlaufs, machte ich mich schließlich am Ende meiner Kräfte auf den Weg zum Uni-Arzt. Diagnose: leichte Bronchitis und leichtes Fieber. Bewaffnung: 5 verschiedene Tabletten und Hustensaft. An dem Punkt war mir nichts egaler, als was ich einwarf. Hauptsache es half. Und das tat es. Zuhause angekommen (mit 4 Pausen für 6 Stockwerke) schlug das Imperium zurück, sprich: Ich warf die Chemiehämmer ein und sah genüsslich auf einer dumpfen Wolke drei Meter über dem Bett schwebend dabei zu wie Frau Erkältung elendiglich und qualvoll langsam zugrunde ging. Sobald sich die Kissen auf meinen Ohren etwas lichteten war es meistens Zeit für die nächste Portion Kampfstoff, die mich sofort wieder auf meine Wolke katapultierte und meiner Armee die Drecksarbeit überließ. Nach weiteren 3 Tagen hatte das Blutbad ein Ende. Leider hatten Frau Erkältung und ihre Bazillenarmee nicht nur Zeit, sondern auch Kraft gekostet und so war sogar der Weg RUNTER zur Straße ein Kraftakt. Und trotzdem fühlte sich Hong Kong nach einer knappen Woche im Krieg fast wieder an wie am ersten Tag. Hatte denn keiner mitbekommen, dass ich weg war? Und wollte mir wirklich keiner die Hand schütteln und auf die Schulter klopfen, weil er von meinen Heldentaten in der Zeitung gelesen hatte? Nein. Hong Kong war es egal, dass ich wieder da war. Hong Kong lief einfach weiter. Also reihte ich mich etwas quengelig in die Reihe der MTR-Sardinen ein und beglückwünschte mich eben selbst ein wenig.

Neu beflügelt und voller Elan wieder am Leben teilhaben zu können, fasste ich einen Entschluss. Carpe Diem! An dem Spruch musste doch was dran sein, oder? Warum also nicht rausfinden, was dahinter steckt.
Hong Kong! Vier Monate! Hong Kong ist es egal, was ich tue oder was ich nicht tue, also warum nicht einfach mal „out oft he box“ denken und was riskieren? Warum nicht statt über die Grenze zu winken und dran längs auf und ab zu tigern, einfach mal Anlauf nehmen und springen? Mein errungener Sieg gegen die Mächte des Bösen und ihren Bazillenarmeen hatte mich geradewegs in die Höhen des „Go for it“-Wahns getrieben. Und wo kann eine Frau, losgelassen in Hong Kong mehr riskieren als beim FRISEUR!?!?!
   
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