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Shanghai, Shanghai

#2 Im Paris des Ostens... von Jonas
...da wo die Stadt das Meer küsst, wirst du mit Sicherheit eine einmalige Zeit verbringen. Ich will auf alle Fälle erfahren, ob Shanghai nun an NYC 'ran kommt?
LG
Jonas
13.12.2008 - 12:14


So, so, Shanghai ist das Paris des Ostens oder doch eher wie New York? Oder gar nicht oder überhaupt? Solche Vergleiche sind ja immer recht amüsant. Ich erinnere mich an eine These, die in meinem Praktikum in der Mittagspause geäußert wurde.


Tanja: ... und er meinte die Koreaner seien die Iren Asiens. Und er hat Recht! Die Koreaner können am meisten trinken, sie sind auf dem Kontinent irgendwo in der Ecke angesiedelt, gelten als schlau und keiner kriegt so richtig viel von ihnen mit!
Ich: Nicht zu vergessen, der Krieg mit dem Norden...
Tanja: Stimmt! Warum bin ich auf das Offensichtlichste nicht gekommen?


oder auch...

Karsten: ... ich habe mir überlegt, dass Großbritannien das China Europas ist!
Tanja: Das hast du überhaupt nicht! Das habe ich gestern GENAU SO gesagt!
Karsten: Huch...


:D Na ja, wir werden sehen...

Ich bin nun seit zwei Wochen in der Arbeitswelt angekommen und damit im Rhytmus des Alltags. Die Zeiten der ISM, wo man morgens bis 12 schlafen konnte und entspannte, stresslose Klausurphasen zum angenehmen Ausklang des Semesters beitrugen sind vorbei. Um kurz vor Acht pferche ich mich in eine menschenüberladene U-Bahn, stöckele durch den Autojungle zur Arbeit und passe selbst bei grünem Fußgängerlicht auf, nicht von einem Taxi, Bus oder neureichem Chinesen mit seinem BMW überfahren zu werden. Bürostuhlakrobatik wird nun verlangt und das teilweise bis abends um halb elf zu einem chinesischen Lohn. Diese Woche hatte ich allerdings das Glück, bei einem Workshop von BBDO Consulting über das ‚country of origin’ Image von deutschen Marken als Protokollantin eingeteilt worden zu sein. Ich habe den Samstag dazu genutzt, Shanghai aus einer anderen Perspektive als dem Bürostuhl im 29.Stock zu betrachten.

Meine Chefin hat mir einen Reiseführer gegeben. „VIER TAGE IN SHANGHAI“ lautet die Überschrift auf Seite 10. Normalerweise habe ich im Ausland immer das Glück Einheimische oder andere Ausländer zu treffen, die mich gerne auf Entdeckungsreise mitnehmen. Reiseführer sind mir also überhaupt nicht vertraut und da ich recht eitel darin bin, nicht als Touristin erkannt werden zu wollen, kaufe ich auch so gut wie nie einen. In China ist das allerdings etwas schwierig mit einem westlichen Gesicht und einem chinesischen Vokabular, das sich auf 12 Worte beschränkt. Also los! Reiseführer auspacken und die Stadt entdecken.

Beginnen Sie die Tour am Bund Ecke Fangbang Zhong Lu. Früh am morgen können Sie dort Einheinmische beim tai ji quan oder anderen Bewegungsformen antreffen. Verbringen Sie einige Stunden an der herrlichen Uferpromenade mit ihrer kolonialzeitlichen Architektur vom Beginn des 20. Jahrhunderts und der fantastischen Aussicht auf Pudong...


Ich bin mit der U-Bahn irgendwo südlich des Bunds ausgestiegen, weil ich das Geld für die Taxifahrt bis zur Fangbang Zhong Lu sparen wollte. Nachdem ich mit einem Chinesen non-verbal besprochen habe, wo ich langgehen muss, sah ich ein Shanghai abseits der Wolkenkratzer,...
Shanghai abseits der Wolkenkratzer
  Shanghai abseits der Wolkenkratzer


... ich passierte Straßen, die in den Himmel gebaut wurden...
Straßen, die in den Himmel gebaut wurden
  Straßen, die in den Himmel gebaut wurden


... und Baustellen über Baustellen. Da Shanghai sich momentan noch in einem Prozess befindet, in dem die Stadtregierung Flecken findet, an denen noch Wolkenkratzer hinpassen, wird hier ein glänzendes Gebäude nach dem anderen aus dem Boden bis in den 88.Stock gezogen.

Ich erreichte den Bund, die Touristenmeile Shanghais, wo man einen Ausblick auf einen verdreckten Huangpu Fluss und die Skyline inklusive dem berühmten Oriental Pearl TV Tower hat.

Uferpromenade am Bund
  Uferpromenade am Bund


Skyline
  Skyline


Oriental Pearl TV Tower
  Oriental Pearl TV Tower


Ich setzte mich in ein Restaurant und bestellte Nudeln für umgerechnet einen Euro. Die sechs Frauen, die dort arbeiteten, saßen mir gegenüber und starrten mir allesamt ins Gesicht. Ich las eben kurz eine SMS, schaute noch einmal hoch. Mich starrten immernoch alle an. Selbst wenn ich zurückschaute, regte sich nichts. Ich schaute in den Reiseführer und vorsichtig noch einmal hinauf. Immernoch keine Regung. Was solls. Ich fummelte also mit den Stäbchen die Nudeln aus der Brühe, zahlte, bedankte mich und kaufte mir ein Ticket für den Bund Sightseeing-Tunnel.

Der sogenannte Sightseeing-Tunnel ist teils eine computergesteuerte Hightech-U-Bahn, teils erinnert sie eher an eine Geisterbahn auf dem Rummelplatz. Auf der nur 650 Meter langen surrealen Spritztour unter dem Huangpu hindurch stürmen aufblasbare Figuren und eine Lightshow aus Neon und Laser auf die Passagiere ein (...). Das Ganze ist zwar etwas kitschig, aber dafür so typisch für Shanghai, dass man es einfach erleben sollte.


Ja, es ist kitschig und ja, es ist typisch Shanghai! Man fährt durch eine Röhre bepflastert mit bunten Farben, die einem weis machen wollen, man wäre in einem Vulkan oder im Weltall.

Ich stieg also beim TV Tower aus und fuhr eben diesen bis in den 263.Stock hinauf. Im Fahrstuhl informierte eine Chinesin auf shanghainäsisch über den Turm. Darauf folgend widerholte sie ihren auswendig gelernten Text auf englisch. Die Chinesen um mich herum waren etwas verwundert, was diese Fremdsprache jetzt im Fahrstuhl zu suchen hätte, blickten dann auf mich und schauten mit einem „Ah ja klar“ Blick wieder weg. Der Turm ist eine Touristenattraktion. Dennoch ist man als Ausländer eine kleine Minderheit, weil das Wochenende für viele Chinesen aus den Provinzen eine Möglichkeit ist, sich in dieser Metropole die Zukunft anzusehen.

Ich hatte einen Blick auf die ganze Stadt, dem 2007 in den Boden gestampften Flaschenöffner, dem Fluss, dem Grand Hyatt und dem Rest der glitzernden Skyline. Im 263.Stock schaute ich auf die Metropole hinab und doch wirkte alles so nah. Zwei chinesische Touristen am Bund haben mir erzählt „Shanghai stands for the future“ und diese Phantasie haben Bauarbeiter mit Stahl und Stein in glitzernden Bauten umgesetzt.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ist Shanghai das Paris des Ostens und schlägt es New York?

Mit Paris hat Shanghai auf jeden Fall einen imposanten Turm gemeinsam. Wie ein Dartpfeil guckt der Pearl Tower aus der Skyline. Und obwohl die anderen Praktikanten und ich abends in einer Bar tatsächlich einen Vergleich der französischen Sprache mit mandarin aufgestellt haben, verhalten sich die Menschen und Träume doch eher gegensätzlich.

New York dagegen ist eine Klasse für sich. Dieser Spot zeigt New York als die Umsetzung des American Dream. Shanghai ist der Traum der Zukunft Chinas.

PS: Danke Jonas, ich glaube ich bin jetzt mitten drin :)
   
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